Der Produktionsprozess von Kaltband

prozess

Kaltband bzw. kaltgewalztes Band aus Stahl (Englisch: cold rolled steel strip, Französisch: feuillard d'acier laminé à froid) ist ein Flacherzeugnis, das eine Querschnittsverminderung um mindestens 25% durch Kaltwalzen erfahren hat und zu einer Rolle (Coil) aufgewickelt wird. Kaltband hat eine erheblich höhere Stabilität als unbehandelter Stahl und ermöglicht die Fertigung absolut passgenauer Präzisionsteile.

Kaltband findet dabei nicht nur in der Industrie Anwendung. Im Bereich der Oberflächenbearbeitung von Kaltband gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Je nach späterem Anwendungszweck kann die Oberfläche des Kaltbandes für unterschiedliche Haftungseigenschaften blank, aufgeraut oder mit Hilfe von zusätzlichen Werkstoffen wie Kupfer veredelt werden.

Der Produktionsprozess des Kaltwalzens ist ein kontinuierliches Umformverfahren, welches mit hohen Geschwindigkeiten bei Temperaturen unterhalb der Rekristallisation durchgeführt wird. Die Volumenänderung erfolgt hauptsächlich in Laufrichtung. Dabei wird das Walzgut meist bei Raumtemperatur, also ohne vorheriges Anwärmen, zwischen zwei oder mehr rotierenden Werkzeigen, den Walzen, in seiner Dicke reduziert. Im Industriemaßstab werden die kalt zu walzenden Materialien häufig als Coils angeliefert, die zuvor mittels eine Wambreitband-Verfahrens reduziert wurden. Aus Stahl wird Kaltband mit einer Dicke von 3 bis 0,2 mm hergestellt. Weißblech, Feinst- und Elektroblech werden bis zu 0,1 mm dünn gewalzt.

 

Das Produkt Kaltband stellt sich in seiner Vielfalt wie folgt dar:

Stahlsorten:

  • unlegierte und niedriglegierte Güten

  • Zieh-, Tiefzieh- und Sondertiefziehgüten

  • kaltgewalzte Qualitäts- und Edelbandstähle, legiert und unlegiert

  • mikrolegierte Feinkornstähle mit besonderen Umformeigenschaften

  • Feinschneidgüten

  • vergütbare und vergütete Stähle

  • oberflächenveredelte Stähle

  • Stähle in Sonderlegierungen für besondere Einsatzzwecke

 Oberflächenausführungen:

  • blanke Oberfläche

  • riss- und porenfreie Oberflächen

  • Hochglanzoberflächen

  • aufgerauhte Oberflächen mit verschiedenen Rauheitsgraden

  • dessinierte Oberflächen

  • oberflächenveredeltes Kaltband durch elektrolytische
    Beschichtungen (z. B. Cu, Cr, Ni, Sn, Zn)

  • oberflächenveredeltes Kaltband durch Plattierungen (z. B. Al, Cu, Ms, Ni)

  • Beschichtungen mit Kunststoffen und Lacken in allen Farbtönen

  • gebläute Oberflächen

Physikalische Eigenschaften:

  • schlussgeglüht

  • leicht nachgewalzt

  • definierte Festigkeitsspannen

  • definierte Härtebereiche

  • definierte Streckgrenzenverhältnisse

  • definierte Verformungseigenschaften

  • vergütbar ("härtbar")

  • vergütet ("gehärtet")

  • zipfelarm

  • zipfelfrei

 

Abmessungen:

  • Dicken: 0,05 - 14,00 mm (gemäß DIN EN 10140)

  • Breiten: 2,00 - 650,00 mm (gemäß DIN EN 10140)

  • Ringgrößen: 0,25 - 20,00 kg/mm Bandbreite

  • Stablängen: 500 - 6.000 mm

  • Toleranzen: gemäß DIN EN 10140

 

Kantenausführungen:

  • geschnittene Kanten

  • Naturwalzkanten

  • angewalzte Kanten verschiedenster Geometrie

  • mechanisch bearbeitete Kanten unterschiedlichster Ausführung

 

Schon in der Vielfalt von spezialisierten Kaltband-Erzeugnissen kommt zum Ausdruck, dass die Kaltwalzindustrie individuelle Kundenwünsche stets mit hochwertigen Produktlösungen beantwortet. Darüber hinaus sind die Kaltbandhersteller verlässliche Partner bei der Entwicklung der Kundenprodukte. Immer wieder werden dem Kunden neue und innovative Anwendungsmöglichkeiten von Kaltband angeboten. Auch in Bereichen wie Logistik, elektronische Kommunikation und Qualitätsmanagement (z. B. Zertifizierung nach ISO 9001, IAFT 1694Q) werden partnerschaftlich Lösungen mit dem Kunden gesucht.

Alles in allem bieten die heutigen Kaltbandhersteller dem Kunden nicht nur hochwertiges Kaltband, sondern auch ein komplettes Servicepaket rund um das Produkt.

Der Markt

Die Einsatzgebiete von Kaltband sind vielfältig. Insbesondere für Kunden der Automobil- und Automobilzulieferindustrie, der Metallverarbeitung, Elektro- und Informationstechnik, Haushalts- und Freizeitgeräte- sowie der Möbel- und Bauindustrie ist kaltgewalzter Bandstahl wichtiges Ausgangsprodukt für vielfältigste Verarbeitungsmöglichkeiten. Produkte aus Kaltband und kaltgewalzten Bandstahl findet man in unserem Alltag überall: Als Werkzeuge wie Gartenscheren, Spachtel und Sägeblätter, als Bau- und Möbelbeschläge, -scharniere und -schienen, als Kanten für Skier und Snowboards oder Kufen an Rodelschlitten, an Sitzgurten und als Sitzschienen im Inneren des Automobils, als Getriebelamellen, Kugellager usw. in der Antriebstechnik und sogar in der Rückholautomatik von Hundeleinen, als Zipper von Reißverschlüssen oder in Münzen u.v.m..

 

Verbrauch   Gueten   Versand

Über die Hälfte des Versandvolumens unserer Mitgliedswerke fragen allein die Automobil- und Automobilzulieferindustrie nach, gefolgt von der allgemeinen Metallverarbeitung mit einem Viertel des Gesamtbedarfs an kaltgewalztem Bandstahl. Etwa 15% der Produktionsmenge fließen in den Maschinenbau und die Elektroindustrie.

 

Um den meist sehr präzisen und vielfältigen technologischen Anforderungen der Anwendungsbereiche gerecht zu werden, wird kaltgewalzter Stahl in einer Vielzahl von Güten und teils bereits wärmebehandelt geliefert. Dabei entfällt gut die Hälfte des Bedarfs auf gut verformbare Stähle mit einem Kohlenstoffgehalt von weniger als 0,25%, unter anderem spezielle Tiefziehgüten. Hierunter fallen jedoch auch Einsatz- und niedrig gekohlte Baustähle sowie das nahezu entkohlte Elektroband mit seinen hervorragenden magnetischen Eigenschaften  - wie z.B. geringe Hysterese- und Wirbelstromverluste - für dadurch für effizienzoptimiierte hochdrehende Elektromotoren der Automobilindustrie.

Rund 25% des Produktionsvolumens entfallen auf unvergütete Qualitätsstahl (mit Kohlenstoffanteilen > 0,25%). Bei daraus gefertigten Teilen können durch eine nachträgliche Wärmebehandlung weitere anwendungsspezifische Eigenschaften eingestellt werden. Besondere Anwendungsbereiche sind hier beispielsweise Stahlkappen für Sicherheitsschuhe oder Steuerketten. Für in der späteren Verwendung besonders korrosions- oder chmikalenbeständige Bauteile werden kaltgewalzte Edelstähle mit besonders hohen Reinheitsgraden gefordert. Diese mach in der Regel etwa 15% des Absatzvolumens aus.

 

Ein Vergleich des Liefervolumens über die Jahre 1982-2018 zeigt für die Mitgliedswerke der Fachvereinigung eine insgesamt kontinuierlich positive Entwicklung. Auch nach der Stahlkrise im Jahr 2009, die für die gesamte Stahlindustrie einen dramatischen Rückgang der Nachfrage nach sich zog, erholte sich das Versandvolumen der Fachvereinigung auf dem Niveau des Jahres 2005.

Diese positive Entwicklung wurde und wird nach wie vor nicht ausschließlich von Inlandsgeschäften getragen. Rege Exportaktivitäten in das europäische und außereuropäische Ausland tragen mit etwa einem Drittel zum Gesamterfolg unserer Mitgliedsunternehmen bei.